Physikum Erfahrungsbericht [Teil 1] – Die Vorbereitung

Physikum Erfahrungsbericht [Teil 1] – Die Vorbereitung

Nach zwei Jahren Medizinstudium war es diesen Herbst soweit: Ich habe das Physikum absolviert. Fünfzig Lernpakete, neuntausend Multiple-Choice-Fragen, diverse Existenzkrisen und literweise Instantkaffee bei neununddreißig Grad Celsius – die Vorbereitung auf die bisher größte Prüfung meines Lebens war wortwörtlich schweißtreibend. In dieser Reihe möchte ich Euch von meiner Physikumszeit berichten: Davon, wie ich mich auf das Physikum vorbereitet habe, was ich rückblickend hätte besser machen können, wie ich meine Prüfungen – schriftlich als auch mündlich – erlebt habe, und was ich künftigen Kandidaten mit auf den Weg geben möchte. 

In diesem ersten Teil soll es um die Vorbereitung auf das Physikum gehen. Wann ist es an der Zeit, mit dem Lernen zu beginnen? Benötigt man einen Lernplan? Wie lernt man eigentlich für das Physikum? Fragen über Fragen. 

Vorbereitung SCHRIFTLICHES Physikum 

Informieren 

Dass man als Medizinstudent, zumindest im Regelstudiengang, einmal das Physikum absolvieren wird, weiß man. Dass es ein schriftliches und ein mündliches Physikum gibt, weiß man in der Regel auch. Oft endet an dieser Stelle aber das Wissen über das Physikum, bis zum vierten Semester hat man schließlich andere Sorgen und erst wenn auch die letzten Vorklinikklausuren geschafft sind, die Anmeldung zur Prüfung bevorsteht oder bereits erfolgt ist und plötzlich auch Außenstehende fragen, „Sag mal, hast du nicht bald Physikum?“, ja erst dann beginnt man, sich selbst die ein oder andere Frage über Aufbau und Ablauf des Physikums zu stellen. Wie lange dauert so eine Physikumsklausur, welche Fächer werden zu welchen Anteilen geprüft, wie funktioniert das mit Aufgabenheften und Kreuzbogen, darf ich meinen Glückskugelschreiber mit zur Prüfung nehmen, und so weiter. Das sind Fragen, die ihr Euch durch Google und unieigene Informationsveranstaltungen selbst beantworten könnt, ebenso ist die Anmeldung zum Physikum ein nerviges Zusammensuchen und Beglaubigenlassen diverser Unterlagen, sodass ich in meinem Fall eine nervige Reise durch Bürgerbüro, Standesamt, Schulsekretariat und Pfarrbüro hinter mich bringen durfte. Was ich sagen möchte: Bevor ihr auf die Idee kommt, euch in die Lernhölle zu stürzen – darum soll es im weiteren Beitrag gehen – ist es wichtig, die Anmeldung nicht zu versäumen und zu wissen, was grob auf einen zukommt. 

Beginn der Lernphase 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Physikumslernerei zu beginnen? 

Dass man eigentlich seit Semester 1 auf das Physikum vorbereitet wird, ist klar. Die Frage lautet daher, wann es an der Zeit ist, den Stoff gezielt für die Physikumsprüfungen aufzufrischen. Sicherlich gibt es Fälle von Studenten, die sich monatelang darauf vorbereitet haben, und Geschichten von Kandidaten, die die Prüfung nach einer Woche Powerlernen erfolgreich gemeistert haben. Ich selbst habe erst nach meiner letzten Vorklinikklausur – Stichwort „Scheinfreiheit“ – mit dem Pauken angefangen, 45 Tage standen mir zur Verfügung (das weiß ich so genau, weil ich den Prüfungstermin damals in eine Countdown-App eingegeben habe). Ich kann sagen, dass diese 45 Tage auf jeden Fall ausgereicht haben, ich entspannt lernen konnte, samt freien Tagen und Tagen, an denen nur ein bisschen gelernt wurde. Vermutlich gibt es auch Universitäten, an denen zwischen letzter Klausur und Physikum weniger freie Zeit liegt. 5 Wochen sind für mein Empfinden eine gute Zeitspanne, um sich auf das Physikum vorzubereiten – je mehr Zeit, desto besser. Natürlich kommt es auch darauf an, was ihr erreichen möchtet. Einfach nur Bestehen, oder soll/muss (Stipendium) es eine gute Note werden? Fragen, die ihr für euch selbst beantworten und dann auch berücksichtigen solltet. 

Lernutensilien 

Womit bereite ich mich auf das Physikum vor? 

Da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, am populärsten sind sicherlich die Endspurtskripte* des Thieme-Verlags sowie die Medilearn-Skripte*, aber es gibt auch Einbände von Amboss (oder Amboss online) sowie die Möglichkeit, ViaMedici von Thieme zu verwenden. 

Ich selbst habe mit der Endspurt-Reihe gelernt. Das sind 14 Skripte (im Schnitt 80-seitige Hefte zu allen Vorklinik-Fächern), die insgesamt 50 sogenannter Lernpakete (gleich Themenkomplexe) umfassen. Fakten, die in der Form schon einmal vom IMPP abgefragt wurden, sind im Text gelb hinterlegt und nach jedem großen Abschnitt folgt ein Fazit-Kasten, in dem alle bisher prüfungsrelevanten Inhalte noch einmal zusammengefasst werden. 

Die Frage, warum ich Endspurt statt Medilearn gewählt habe, kann ich so beantworten: Vom Hörensagen weiß ich, dass die Medilearn-Skripte oberflächlicher sein sollen – mir stand schließlich genug Zeit zur Verfügung, um die tiefergehenden Endspurt-Skripte durchzugehen. In den meisten Fällen habe ich während der Vorklinik schon mit Thieme gearbeitet und wusste daher, dass ich mit der Aufmachung gut zurechtkomme, Abbildungen aus Endspurt sind mir zum Beispiel meist schon bekannt gewesen und ich musste mich nicht erst „reindenken“. Außerdem treffen die Medilearn-Cartoons und -witze nicht so ganz meinen Humor. Das einzige Endspurt-Skript, das ich schon während der Vorklinik zur Vorbereitung normaler Klausuren verwendet habe, war übrigens das Histologie-Skript. Während der Physikumsvorbereitug ist mir dann aufgefallen, dass ich vor allem die Biochemie-Skripte während der Vorklinik auch hätte verwenden sollen – die finde ich nämlich ziemlich, ziemlich gut: kurz, knapp und einleuchtend. Solltet ihr auch das zugehörige Biochemieposter* besitzen (das hing übrigens eher zur Deko an meiner Wand), dann kann ich die zugehörigen Videos empfehlen (die habe ich tatsächlich angesehen). Hier wird das Poster von einer angenehmen Stimme „erklärt“: Stoffwechselwege werden durchgesprochen, Besonderheiten angemerkt. 

Noch eine Anmerkung zu ViaMedici: Wie ihr vielleicht wisst, habe ich diese Online-Plattform (das Amboss vom Thieme-Verlag quasi) die ganze Vorklinik über genutzt, statt Lehrbüchern. Ich habe mich dann bewusst gegen ViaMedici zur Physikumsvorbereitung entschieden, weil ich „neue“ Texte lesen und nicht jedes Modul online noch einmal durchgehen wollte. Schließlich basieren meine eigenen Zusammenfassungen auf ViaMedici, die Texte waren mir also schon bekannt. 

Altfragen habe ich auf ExamenOnline gekreuzt, das war mir schon durch ViaMedici bekannt und ich finde die Erläuterungen persönlich netter formuliert als die auf Amboss; vor allem in Physik hatte ich das Gefühl, dass auf Amboss oft Rechnungen nicht detailliert genug erläutert werden (sodass ich sie verstanden hätte). 

Lernplan 

Die Endspurt-Lerner wissen, dass es auf der Thieme-Website einen Lernplangenerator gibt. Blöd nur, wenn der einem (irrsinnigerweise) sagt, dass man schon längst mit dem Lernen hätte beginnen sollen, als sei das Kind schon in den Brunnen gefallen. Ansonsten gibt es einen 30-Tage-Lernplan von Thieme und sicherlich auch welche von Amboss und Medilearn. Mir selbst war es schlicht und einfach zu blöd, mich an einen fertigen Lernplan zu halten, aus dem Grund, dass mir dieser zu durcheinander und unflexibel gewesen wäre. Was, wenn ich an Tag 10 auf einen Geburtstag eingeladen bin und kaum Zeit habe, mir an dem Tag aber ein Riesenlernpaket aufgehalst wird? 

Ich habe es also folgendermaßen gemacht: Ich habe alle 50 Lernpakete auf einem Zettel aufgelistet, in dem Wissen, dass mir weniger als 50 Tage zur Verfügung stehen und ich im besten Fall an einigen Tagen zwei Lernpakete durchgehen sollte. Das hat im Nachhinein übrigens so wunderbar geklappt, dass ich sehr frühzeitig fertig war, aber dazu unten mehr. 

Solltet ihr wirklich wenig Zeit zur Verfügung haben, könnt ihr natürlich auch Skripte weglassen und euch nur die Fazit-Kästen durchlesen. Mein Tipp dafür: Physik und Chemie auslassen, eventuell auch Biologie, falls ihr Bio in der Oberstufe hattet. Die Texte des Physikskripts fand ich nicht sehr einleuchtend/nötig und letztlich sind hier zum Großteil ohnehin nur die Formeln relevant (die ihr in den gelben Fazit-Kästen oder in der Formelsammlung am Skriptende findet). Gleiches gilt für Chemie. 

Jedenfalls habe ich mir dann am Tag vorher überlegt, welches Lernpaket/Lernpakete ich am morgigen Tag durchlesen werde. Habe ich viel Zeit und schaffe zwei kleine bzw. ein großes Lernpaket, oder muss ich es bei einem kleinen belassen? 

Lernen = Lesen 

Das eigentliche Lernen bestand vor allem mich aus einer Tätigkeit: Dem Lesen. Ich habe alle Skripte durchgelesen und mir, womöglich zum ersten Mal in meiner Lernkarriere, keine Zusammenfassungen dabei angefertigt. War ja auch gar nicht nötig, schließlich hatte ich bereits zu allen Fächern welche, und davon abgesehen wäre das auch viel zu zeitintensiv gewesen. Die Devise lautete also: Lesen, lesen, lesen. Ich habe in den Skripten auch nichts mit Textmarkern markiert (Hauptgrund: das mindert den Wiederverkaufswert, wäre vermutlich aber auch so sehr eskaliert, dass sämtliche Absätze bunt gewesen wären, sodass ich gleich einen Farbeimer hätte auskippen können). Fehler (online könnt ihr das sogenannte Erratum einsehen, in dem die Verlagsleute falsche Fakten korrigiert bekanntgeben) habe ich mit dem Bleistift ausgebessert und Eselsbrücken (davon zahlreiche) auf PostIts notiert und dazugeklebt. 

Altfragen zu den Lernpaketen habe ich dann am Folgetag gekreuzt, meist morgens, bevor ich mich ins nächste Lernpaketabenteuer gestürzt habe. Ich habe stets sämtliche Lernpaket-Fragen gekreuzt. Das waren manchmal 300, manchmal nur 50 pro Tag. Zeitlich habe ich das oft fehleingeschätzt: Es hat zum Beispiel Stunden gedauert, 100 Physik- oder Chemiefragen zu beantworten (Rechnen!), wohingegen Anatomie oder Histologie schnell von der Hand gingen (Faktenfragen; entweder man weiß es, oder man weiß es nicht). 

Wie bereits erwähnt, war ich ca. zwei Wochen vor der schriftlichen Prüfung mit dem Durchlesen aller Skripte fertig – was nicht heißt, dass mir noch sämtliche Information präsent war, im Gegenteil, sehr viel vergisst man auch wieder. Gleiches gilt fürs Kreuzen: Wenn ihr, wie ich, die zugehörigen Fragen am Folgetag kreuzt und 90% richtig beantwortet habt (ein super Ergebnis), dann ist das zwar erfreulich, aber nicht repräsentativ. Würdet ihr die Fragen erst zwei Wochen später kreuzen, hättet ihr sicherlich nicht mehr alle Informationen präsent, aber das ist nichts, worüber man sich sorgen sollte. 

In den Tagen vor der Prüfung bin ich dann die Fazit-Kästen der Endspurt-Skripte noch einmal durchgegangen, habe mir die wichtigsten Eselsbrücken wieder ins Gedächtnis gerufen und noch einmal ein paar Fragen gekreuzt – entweder zufällig, oder gezielt Themen, die mir nicht ganz lagen, aber auch 1-2 ganze, alte Examina (s.u.: Generalprobe). 

Ein letzter Punkt, auf den ich zusprechen kommen möchte, sind eigene Zusammenfassungen. Die habe ich für das schriftliche Physikum nur zurate gezogen, wenn Unklarheiten aufgekommen sind (welche Doccheck und Wikipedia nicht beseitigen konnten) oder ich ein Thema noch einmal vertiefen wollte, weil ich es in Endspurt nicht schlüssig erklärt fand, was aber eher selten der Fall war. Für das mündliche Physikum (s.u.) waren mir die eigenen Zusammenfassungen allerdings eine Riesenhilfe! 

Generalprobe 

Unsere Fachschaft hat am vorletzten Wochenende vor der Prüfung die freiwillige Teilnahme an einer Simulation des schriftlichen Physikums angeboten. An zwei Tagen à vier Stunden war es uns so möglich, in Prüfungsheften (von Amboss, die sind ähnlich aufgebaut wie die Originalhefte, die ihr in der Prüfung erhalten werdet) eine alte Physikumsprüfung durchzuspielen, samt „richtigem“ Ankreuzen auf Antwortbogen (zu Hause kreuzt man in der Regel am Computer) und der Tatsache, dass die Lösung nicht sofort nach Beantworten der Frage angezeigt wird (wie es online ja meist auch der Fall ist). 

Auch auf ExamenOnline und Co könnt ihr eine Physikumsprüfung simulieren, das solltet ihr meiner Meinung nach mindestens einmal getan haben. Wahrscheinlich werdet ihr feststellen, dass ihr bei weitem nicht die zur Verfügung stehenden vier Stunden brauchen werden – war dann auch beim echten Physikum nicht so. Aber seid euch auch bewusst: Die Fragen der Altprüfungen sind euch alle schon einmal während des Durcharbeites der Lernpakete begegnet, euer Prüfungsergebnis ist also nicht ganz repräsentativ. 

Der Tag vor der Prüfung 

Zuletzt ist es mir noch ein Anliegen, etwas über den Tag vor der Prüfung zu erzählen. Mein damaliger Pädagogiklehrer – Recht hatte er – sagte stets: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, also: Was man jetzt nicht draufhat, das sollte man sich nicht noch „last minute“-mäßig in den Kopf prügeln. Ich weiß selbst, dass die Versuchung groß ist, noch einmal wild durch die Unterlagen zu blättern, man in der Hektik und Nervosität das Gefühl hat, Grundlegendes vergessen zu haben (ist nicht so!) und es sich falsch anfühlt, am Tag vor der Prüfung auf der faulen Haut zu liegen, weil man die letzten Wochen beinahe täglich fleißiger denn je war und das Nichtstun gar nicht mehr gewohnt ist. Das vielleicht einzig Sinnvolle: Sich am Tag vor der Prüfung noch einmal die Physikformeln ansehen (hier lebe das Kurzzeitgedächtnis!). 

Jedenfalls, ich habe schnell gemerkt, dass die Luft raus ist, mich an die Worte meines Lehrers erinnert und bin dann, weil ich es zuhause vor Biochemieplakat und Schreibtisch-Panorama nicht mehr ausgehalten habe, einfach in die Stadt gefahren und habe mir die Beine vertreten. Vor allen großen Prüfungen, auch vor dem Abitur, habe ich es mit der Ruhe am Tag vor der Prüfung genauso gehandhabt, und immer ist es für mich gut ausgegangen. Während eine Freundin am Tag vor der Prüfung in Panik verfallen ist, weil ExamenOnline „down“ war (dass scheinbar so viele Mediziner am Abend vor der Prüfung noch Fragen kreuzen, hat mich ehrlich gesagt schockiert; ich hätte dann gar keine „Lust“ mehr gehabt, am nächsten Tag die 160 Fragen kreuzen zu müssen), habe ich mir also einen schönen Tag gemacht. Dazu rate ich euch auch. Ihr habt es euch verdient, nach all der Lernerei! 

Vorbereitung MÜNDLICHES Physikum 

Die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung war nicht nur kürzer als die auf die schriftliche, sondern auch chaotischer, aufwühlender und für mich persönlich auch von viel mehr Versagensängsten und kleinen mentalen Breakdowns geprägt – dazu aber mehr im entsprechenden Beitrag zum mündlichen Physikum (folgt noch). 

Beginn der Lernphase 

Die Lernphase begann für mich direkt nach dem schriftlichen Physikum (das mündliche beginnt an meiner Uni erst nach dem schriftlichen; das ist allerdings nicht an allen Unis so), und zwar mit Erhalt der Einladung zum mündlichen Physikum, in der mittgeteilt wird, welchen drei Prüfern man die Ehre erweisen darf. Lustigerweise hat mich die Einladung am letzten Tag der schriftlichen Prüfung erreicht, sodass beide Lernphasen direkt hätten ineinander übergehen können – Konjunktiv. Ich hatte nämlich noch fast zwei Wochen Zeit zwischen den Prüfungen, sodass ich mir ein freies Wochenende genehmigt habe. Andere waren direkt in der darauffolgenden Woche dran, sodass sie sich diesen Luxus nicht gönnen konnten – dafür konnten sie vor mir in die Ferien starten, auch ein Vorteil, denn während alle meine Freunde schon ihr Physikum bestanden hatten, haben sich die Tage für mich als fast letzte Kandidatin irgendwann wie Kaugummi gezogen – die Luft war raus, ich wollte einfach endlich auch an der Reihe sein, es hinter mich bringen. 

Lernutensilien 

Unverzichtbares Lernutensil Nummer 1: Altprotokolle! Sobald ihr erfahren habt, welcher Anatom, Biochemiker und Physiologe eure Prüfung gestalten werden, ist es an der Zeit, sich – wie auch immer das an euer Uni gehandhabt wird – die entsprechenden Altprotokolle zu besorgen und durchzugehen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Prüfer ihre Lieblingsthemen haben und nachdem ihr durch die Vorbereitung auf das schriftliche Physikum die allgemeine Wissensgrundlage ohnehin schon gelegt habt, ist es ratsam, sich mit prüfergeliebtem Detailwissen auseinanderzusetzen. Auch bieten die meisten Prüfer (auf Nachfrage) Vorbesprechungen an, um sich kurz vorher kennenzulernen – so mancher Prüfer schließt während diesen Themen für das Mündliche aus, falls ihr Glück habt, oder er gibt unterschwellige Bemerkungen ab, welche Themen ihm denn besonders am Herzen liegen. 

In die Endspurt-Skripte habe ich während der Vorbereitung auf das mündliche Physikum gar nicht mehr reingesehen, stattdessen habe ich hier intensiv meine eigenen Zusammenfassungen benutzt. Die basieren schließlich unter anderem auf Vorlesungsfolien (jeder meiner Prüfer hat Teile von Vorlesungen gehalten, somit enthielten meine Zusammenfassungen „deren“ Informationen) und waren auch detaillierter als die Skripte (Stichwort „Detailwissen“). Ich bin allerdings nur die altprotokollbekannten Lieblingsthemen durchgegangen, „auf Lücke lernen/das Beste hoffen“ lautete die Devise. 

Was ich zusätzlich verwendet habe, sind Lernkarten, vor allem diejenigen von Sobotta für die Histologieprüfung sowie diejenigen von SmartMedix (deren Aufmachung ideal für das Vorbereiten mündlicher Prüfungen ist, ich habe sie schon vor Testaten regelmäßig verwendet). Mein Fazit zu Vorklinik-Lernkarten könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen. 

Lernplan 

Den hatte ich nicht. Ich bin die Prüferthemen wild durchgegangen, bin nach Lust und Laune zwischen den Fächern hin und her gehüpft und hatte das – vermutlich „normale“ Gefühl – irgendwie unvorbereitet zu sein, alles durcheinanderzuwerfen und mit jedem Tag, der vergeht, mehr zu vergessen als zu behalten/hinzuzulernen. Die Luft war raus, wirklich. 

Lernen 

Auch hier galt wieder: Lesen (Zusammenfassungen und Lernkarten). 

Außerdem bin ich, noch vor dem schriftlichen Physikum, mehrmals mit Freunden in den Präpariersaal gegangen, um die Anatomie an der Körperspende zu wiederholen. Schließlich werdet ihr am Präparat geprüft, müsst Strukturen zeigen können; da hilft es euch herzlich wenig, Informationen runterrattern zu können oder ausschließlich Fakten präsent zu haben, wie es für das schriftliche Physikum vonnöten war. 

Auch im Histologiesaal war ich ein paar Mal, um mir die unieigenen Präparate anzusehen. Im Physikum bekommt ihr eine Auswahl von diesen fortgesetzt, und ein Präparat auf den ersten Blick erkennen zu können, ist sicherlich von Vorteil und gibt die nötige Sicherheit für die weitere Histoprüfung. 

Ich habe mich mit den drei anderen Kandidaten meiner Prüfungsgruppe auf Anhieb gut verstanden, obwohl es allesamt Personen waren, mit denen ich vier Semester lang eigentlich nichts zu tun hatte. Wir haben uns am Wochenende vor der Prüfung an zwei Tagen in der Bibliothek getroffen, um gemeinsam die Steckenpferde unserer Prüfer durchzusprechen, uns gegenseitig abzufragen, Mut zuzusprechen und ich kann rückblickend sagen, dass das eine ziemlich gute Idee war, nicht nur des Lernstoffes wegen. Es war einfach ein Segen, die eigenen vier Wände zu verlassen, unter Leuten zu sein, sich nicht im stillen Kämmerlein verrückt zu machen und zu wissen, dass man diese letzte Durststrecke nicht alleine geht. Klar, Lernen muss jeder für sich selbst und bewertet wird am Ende nur die Leistung des Einzelnen, aber so ein Medizinstudium ist kein Wettbewerb, kein Weg, den man gänzlich allein gehen muss. Manchmal, nein, oft, ist es hilfreich, Berge gemeinsam zu bezwingen – und das Physikum ist sicherlich kein Maulwurfshügel, also tut euch zusammen, wann immer es sich anbietet! 

Fazit 

Es war ein heißer Sommer. Es war an einigen Tagen unglaublich schwierig, sich zu disziplinieren. Während alle Welt im Freibad die Seele baumeln ließ, haben Lernpakete – oh, wie sehr ich dieses Wort nicht mehr hören kann – auf uns Physikumskandidaten gewartet. In meiner Dachgeschosswohnung habe ich es irgendwann vor Hitze nicht mehr ausgehalten und kein Tag verging, an dem nicht irgendwo das Wort „Physikum“ fiel. Aber es hat geklappt! 

Sich aufs Physikum vorzubereiten bedeutet im Übrigen nicht, jeden Tag, den ganzen Tag, am Schreibtisch zu verbringen. Baut Pausen ein, nehmt euch freie Tage, die Zeit für eine Sporteinheit (ich fand es super, morgens eine Runde laufen zu gehen – dann war der Bewegungsdrang fürs Erste gestillt und es war weniger unangenehm, danach zu sitzen und zu lernen). Auch wenn es sich manchmal falsch anfühlen mag, Freizeit einzubauen: Das Kinotreffen mit Freunden oder ein Familienbesuch sind sicherlich keine potentiellen Gründe, warum das Physikum schlecht laufen sollte. Also, lasst euch nicht verrückt machen, denn niemand möchte euch etwas Böses („Lieber Vier als Papier“ lautet übrigens die Devise einiger Prüfer, weil wohl eine ganze Reihe Papierkram auf diese zukommt, sollten sie jemanden durchfallen lassen ;-)). 

Ich habe Euch nun meinen Weg zum Physikum geschildert, und rückblickend würde ich ihn wieder so gehen. Wie auch immer Ihr den Weg zum Physikum beschreitet, so lange Ihr ihn überhaupt kontinuierlich beschreitet, geht ihr in die richtige Richtung. Und wer das Physikum besteht – den hält ja bekanntlich nichts mehr auf. Viel Erfolg, ihr schafft das! 

In Teil 2 dieser Reihe wird es dann um meinen Erfahrungsbericht zur schriftlichen und mündlichen Prüfung gehen. 

Ich hoffe, ich konnte helfen.

_____________

*Affiliate-Link: Solltest du den Artikel über diesen Link erwerben, verdiene ich einen Bruchteil daran. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

Schreibe einen Kommentar