Medical London – Orte & Tipps für Medizinliebhaber

Medical London – Orte & Tipps für Medizinliebhaber

London. Stadt der der roten Telefonkabinen, der königlichen Anwesen, der Parks und Gärten, der Einkaufsstraßen und Bankiers – und vielem mehr. Wen es nach London verschlägt, der kann auch Medizingeschichte entdecken. London ist Geburtsstadt einer ganzen Reihe medizinischer Entdeckungen, unterhält Museen, die sich mit ihnen und ihren Entdeckern beschäftigen, und auch heute können noch die Straßen entlanggegangen und Orte besucht werden, die – meist vor unserer Zeit – von den Großen und Kleinen der Medizin beschritten wurden. 

In diesem Beitrag möchte ich Euch die Orte Londons vorstellen, welche die Medizininteressierten unter Euch begeistern könnten – weil London mehr zu bieten hat als Riesenrad und Tower Bridge. 

Bitte denkt daran, insbesondere vor dem Besuch kleinerer Museen die Öffnungszeiten ausfindig zu machen, da diese gegebenenfalls nur an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten geöffnet sind – es wäre schade, vor geschlossenen Türen zu stehen. 

OLD OPERATING THEATRE

9a St Thomas St, London SE1 9RY

Als Medizinstudentin habe ich am Präparierkurs teilnehmen dürfen. An diesen musste ich beim Besuch des „Old Operating Theatre” zurückdenken, einem der ältesten erhaltenen Operationstheater der Welt, einer Stätte der Chirurgiegeschichte.

Über eine schmale Wendeltreppe erreicht man ein Museum, dessen Herz das „Operating Theatre“ ist. Wie in einem Hörsaal umringen Sitzreihen das Zentrum des kleinen Saals, in dessen Mitte ein einfacher Holztisch steht. Ein Tisch, auf dem vor gut 200 Jahren etwa Beine amputiert wurden, an wachen Patienten, von Chirurgen in Straßenkleidung, vor Zuschauern und Studierenden, verschiedenste Sägen, Zangen und heißes Öl damals die Instrumente der Wahl. 

„MISERATIONE NON MERCEDE“ (For Compassion, Not For Gain) steht über dem Theater geschrieben, ruft den ärztlichen Berufsethos ins Bewusstsein, relativiert die grausam wirkenden Operationsmanöver damaliger Zeit, meist in guter Absicht geschehen. Eine kleine Ausstellung, zu Medikamenten und der Geschichte medizinischer Fachgebiete, ergänzt das liebevoll errichtete Museum unweit der Tower Bridge – und sollte von jedem „Medizintouristen“ einmal besucht worden sein. 

WELLCOME COLLECTION (nach Henry Wellcome)

183 Euston Rd, London NW1 2BE

Eine Mischung aus Medizin, Wissenschaft und Kunst erwartet Euch in der „Wellcome Collection“, dem etwas anderen Museum ungewöhnlicher Ausstellungsobjekte und diverser Denkanstöße. Die Kunst befindet sich hier nicht stumpf hinter Vitrinen und in Bilderrahmen, auf vielerlei Weise gibt es hier Einblicke in die Medizin, manchmal auch Medizin „zum Anfassen“, eine wortwörtlich bunte Ausstellung, abgerundet durch einen kleinen Buch- und Souvenirladen samt Café. Der Eintritt ist kostenlos, der Besuch empfehlenswert. 

ALEXANDER FLEMING MUSEUM

135a Praed St, Paddington, London W2 1QY

Klein und unscheinbar im Londoner Stadtteil Paddington, in einem kleinen Außenflügel des St Mary’s Hospital (fun fact: wenige Meter weiter, im Lindo Wing, bringen die British Royals heutzutage ihren Nachwuchs zur Welt), geschah am 5. September 1928 Historisches: Durch einen Zufall entdeckte Alexander Fleming in seinem kleinen Labor die Substanz, die als Penicillin berühmt werden sollte und die Welt veränderte. 

Genau an diesem Ort im St Mary’s Hospital wurde ein winziges Museum errichtet, welches die Geschichte des Penicillins und seines Entdeckers erzählt. Besucher, die sich in dieses Museum verirren, bekommen eine persönliche Führung in Flemings kleines Laboratorium und beenden den Besuch mit einer kurzen Filmvorstellung und einem Rundgang durch eine Ausstellung. 

Dieser Museumsbesuch ist mir nicht zuletzt wegen des wirklich, wirklich herzlichen Personals (mich hat Ruth durch das Museum, also seine drei Räume, geleitet, und ich habe mich ganz wunderbar mit ihr unterhalten können!) in guter Erinnerung. Das Fleming Museum ist kein Touristenmagnet, kein Riesenkonstrukt, kein Profitgebäude. Nicht nur lernt man hier etwas über das vielleicht revolutionärste Medikament der Medizingeschichte, sondern verlässt diesen Ort mit dem Gefühl, in irgendeiner Hinsicht – vielleicht Achtung, Faszination, Dankbarkeit – bereichert worden zu sein. Verirrt euch nach Paddington, ich lege es Euch ans Herz! 

ROYAL COLLEGE OF SURGEONS: HUNTERIAN MUSEUM

35-43 Lincoln’s Inn Fields, London WC2A 3PE

— Bis 2021 wegen Bauarbeiten außer Betrieb! —

Der Berufsverband englischer und walisischer Chirurgen beherbergt in seinem Hauptgebäude das Hunterian Museum, ein Konvolut anatomischer und pathologischer Präparate des Menschen und anderer Spezies, etwa Skelette und Organe, auch Kunstobjekte, ein Sammelsurium medizinischer Objekte hinter Glas also, Reihe an Reihe, das seine Besucher erstaunt. Verglichen mit derjenigen des Royal College Of Surgeons, wirkt die anatomische Sammlung meiner eigenen Universität – die sich auf einen einzigen Raum beschränkt – wie ein Zwerg, und so verlässt man die Londoner Ausstellung mit dem Gedanken, dass es nichts gibt, was es nicht gibt, oder nicht gab, oder nicht einmal geben wird; was aus einer einzigen Zelle werden kann – faszinierend. 

JOHN SNOW: THE BROAD STREET PUMP

Broadwick St, London W1F

Infektionskrankheiten, denen in unseren Breitengraden heute kaum noch eine Bedeutung zukommt, haben in der Vergangenheit Tausenden das Leben gekostet, auch in London. Eine dieser Krankheiten ist die Cholera, und John Snow (übrigens auch Wegbereiter der Narkose) ein Chirurg, der unweigerlich mit ihr in Verbindung steht. Vielleicht kennt Ihr die Geschichte dieses Briten, der 1854 im Rahmen einer Cholera-Epidemie in Soho die einzelnen Todesfälle auf einer Stadtkarte verzeichnet hat und so herausfand, dass sich diese um eine Wasserpumpe in der Broad Street zentrierten. Cholera wurde somit bewiesen per Trinkwasser (nicht wie zuvor angenommen durch Dünste) übertragen, denn nach Außerbetriebnahme der Pumpe ebbte die Epidemie schlagartig ab.  

Die Wasserpumpe ist der Öffentlichkeit aufgrund von Bauarbeiten aktuell nicht zugänglich, die Broad Street heute von Geschäften, Restaurants (auch einem John Snow Pub) besiedelt. Leben dort, wo vor nicht einmal zweihundert Jahren der Tod hausierte. 

LONDON SCIENCE MUSEUM

Exhibition Rd, Kensington, London SW7 2DD

Das Wissenschaftsmuseum der Stadt London beherbergt nebst großer Ausstellungen zu Astronomie, Luftfahrt oder Fotografie auf seiner obersten Ebene, angelehnt an die Wellcome Collection, einen kleinen Bereich, der sich der Entwicklung medizinischer Behandlungsmethoden über viele Epochen, vom alten Ägypten bis heute, widmet – „Glimpses Of Medical History“. Wer sich auch für die anderen, weitaus größeren Ausstellungen des Science Museums interessiert beziehungsweise genügend Zeit für deren Besuch mitbringt (denn nicht der medizinischen Ausstellung, sondern der großen Vielfalt an Ausstellungen wegen ist dieses eines der tollen, großen Londoner Museen), dem ist der Besuch dieses Museums zu empfehlen.

FLORENCE NIGHTINGALE MUSEUM

2 Lambeth Palace Rd, Lambeth, London SE1 7EW

Im Herzen Londons, unweit des London Eye, am Ende der Westminster Bridge, beherbergt das St Thomas’ Hospital ein Museum über Florence Nightingale, der Wegbereiterin moderner, westlicher Krankenpflege (insbesondere für den englischsprachigem Raum, da sich das „Nursing“ in seiner Geschichte und Stellung von unserer deutschen Krankenpflege, die vor allem durch Kirche und Orden geprägt worden ist, unterscheidet). 

ROYAL LONDON HOSPITAL MUSEUM 

Auch das Royal London Hospital beherbergt ein kleines Museum, das einen Besuch wert ist, sollte man sich gerade in der Nähe befinden (es liegt nicht ganz zentral, östlicher noch als die Tower Bridge, der alleinige Museumsbesuch die weite Fahrt sicherlich nicht wert), beherbergt es zum Beispiel das Skelett des „Elephant Man“ (Joseph Merrick, seinerzeit am Proteus-Syndrom leidend.)

In der Hoffnung, euch die ein oder andere Inspiration für den nächsten Londonbesuch gegeben zu haben, wünsche ich eine spannende Reise – durch London, und durch die Medizingeschichte!

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