Vorklinik-Lernkarten im Vergleich: PROMETHEUS, Sobotta, SmartMedix

Vorklinik-Lernkarten im Vergleich: PROMETHEUS, Sobotta, SmartMedix

Sobald das Medizinstudium beginnt, wird klar: Die Masse an Stoff ist immens, nicht weniger groß ist die Vielfalt an Lernmaterialien, die dem kaufwilligen Studenten zur Verfügung stehen. Der Markt ist riesig, die Buchhandlungen voll von großen und kleinen Lehrwerken der Medizin – doch nicht nur Bücher füllen die Regale, auch Lernkarten sind beliebt. Klein und kompakt, die wichtigsten Themen zusammenfassend, stellen sie quasi die “To Go”-Variante des Lernens dar oder dienen der finalen Wiederholung vor einer Prüfung. Auch ich habe während meiner Vorklinik-Zeit die ein oder anderen Lernkarten verwendet – manche mehr, manche weniger intensiv – und gebe euch nun mein Fazit zu diesen mit auf den Weg.

PROMETHEUS Lernkarten der Anatomie*

Aufmachung: Die Lernkarten befinden sich in einer robusten Box und sind thematisch in der Reihenfolge sortiert, die derjenigen der PROMETHEUS-Lernatlanten entspricht. Auf jeder Karte befindet sich eckwärts ein Loch, durch das ein beiliegender, karabinerähnlicher Ring geschoben werden kann – so ist es möglich, die gewünschte Auswahl an Lernkarten zusammenzuführen, ohne sie unterwegs zu verlieren/vertauschen oder ähnliches. 

Auf der Vorderseite jeder Karte befindet sich ein anatomisches Bild, auf dem bestimmte Strukturen markiert und nummeriert sind. Sinn ist es also, dass ihr die Strukturen “im Kopf” anatomisch korrekt benennt und eure Antwort dann mit der Lösung auf der Rückseite abgleichen könnt. Vereinzelt stehen auf der Lösungsseite auch klinisch wichtige Fakten, oder das Wissen ist in Tabellen angeordnet (zum Beispiel bei Muskulatur).

Themenumfang: Es werden alle großen Kapitel der PROMETHEUS-Atlanten abgedeckt, allerdings in viel geringerem Umfang, sodass die Auswahl an Bildern auf die wichtigsten beschränkt bleibt. Besonders viele Karten gibt es zum Bewegungsapparat, ab dem Thema Situs wird die Auswahl an Abbildungen spärlich, zum Thema ZNS gibt es fast gar keine – und erst recht keine wirklich relevanten – Karten. 

Neupreis: 39,99€ (Ich habe sie allerdings einem älteren Studenten für einen Bruchteil des Preises abgekauft. Ich würde euch generell immer empfehlen, erst einmal zu schauen, ob ihr Artikel nicht an eurer Uni oder übers Internet gebraucht erwerben könnt. Die Meisten behandeln ihre Lernsachen schließlich mit Sorgfalt und sind froh, sie für einen geringen Preis an folgende Generationen weitergeben zu können.)

Fazit: Verwendet habe ich die Karten zu Beginn des Präparierkurses für die Themenblöcke Aktiv und Passiv – danach nicht mehr, da sie für die folgenden Themenabschnitte, wie bereits erwähnt, zu oberflächlich sind. Natürlich kann eine Lernkarte keine monströse topografische Kopf-Hals-Abbildung in vollem Umfang darstellen, wie es ein Anatomieatlas kann, und auch das Lernen von Funktionen beziehungsweise dem “Sinn” hinter anatomischen Strukturen und Systemen ist durch rein bildliche Lernkarten, wie es die PROMETHEUS-Karten eben sind, schwer möglich. Leider kann ich sie nicht mit den Konkurrenzkarten der Sobotta-Reihe vergleichen, da ich diese nie genau angesehen habe.

Falls ihr die Karten sehr günstig erwerben könnt, ist ihre Anschaffung eine Überlegung wert – den Makroskopiekurs übersteht ihr notfalls sicherlich auch ohne.

SOBOTTA Lernkarten Histologie*

Aufmachung: “Spielend durch die Histologie”, so das Motto der Lernkarten. Zwar hatte das Durchgehen dieser für mich wenig mit einem Spiel zu tun, dennoch sind die Karten von ihrer Aufmachung her sehr schön gestaltet. Auf der Vorderseite befindet sich zumeist das Bild eines histologischen Präparates (viele Bilder müssten dem “Welsch” entstammen, dem meiner Meinung nach besten Histologie-Buch), auf der Rückseite sind die nummerierten Strukturen schließlich benannt, meist ist auch noch eine kurze Erklärung beigefügt, sodass es keine reinen Bildkarten sind. Hervorzuheben sind auch die “Vergleichskästen”, in denen ähnliche Strukturen und ihre Unterscheidungskriterien gegenübergestellt werden (zum Beispiel Ureter, Ductus deferens und Ösophagus, die im Querschnitt leicht verwechselt werden können).

Themenumfang: Alle wichtigen Präparate, wichtige Organe auch in mehreren Schnitten, werden von den Lernkarten abgedeckt. Natürlich hat jede Universität in ihren Kästen noch “spezielle Kandidaten”, die von Lehrwerken nicht abgedeckt werden, und auch die Färbung kann sich unterscheiden, ein Pankreas in H.E. oder eine Glandula submandibularis in PAS sollte aber jeder schon einmal identifiziert haben, bevor er die Histologieprüfung antritt.

Neupreis: 24,99€, soweit ich weiß sind es auch die einzigen Histologie-Karten auf dem Markt. Falls ihr bastelaffin seid und euch die Bilder der unieigenen Präparate sowie ein guter Drucker zur Verfügung stehen, könnt ihr euch natürlich eure persönlichen Lernkarten anfertigen, anstatt welche zu kaufen (oder ihr erstellt eine PowerPoint-Datei). Es gibt wohl kein Fach, das besser für Lernkarten geeignet ist als die Histologie – hier kommt es wirklich auf Bilder an, sodass meine Zusammenfassung, wie ich sie für jedes Fach anfertige, auch hier eher einem Bilderbuch gleicht.

Fazit: Für mich sind die Karten jeden Cent wert (ich habe sie in einer älteren Auflage gebraucht erworben). Ich persönlich finde das Fach Histologie großartig, weiß aber, dass die meisten Studenten anders darüber denken. Gerade deswegen kann ich mir vorstellen, dass die Karten durch ihre Kompaktheit, aber auch durch die simplen Erklärungstexte besonders für diejenigen geeignet sind, die sich ausschließlich Basiswissen aneignen möchten, um die Mikroskopie möglichst schnell hinter sich zu bringen. Für alle anderen eignen sie sich natürlich dennoch, um Wissen zu festigen. Daumen hoch!

SmartMedix Lernkarten: Anatomie, Biochemie, Physiologie

Aufmachung: Für jedes der drei großen Vorklinikfächer gibt es drei Boxen mit Lernkarten, insgesamt also neun Stück. In jeder Box befinden sich zwischen 160 und 170 Lernkarten, auf deren Vorderseite Fragen und auf deren Rückseite die entsprechenden Antworten stehen. Das Prinzip ist das folgende: Ihr lest die Frage durch, überlegt euch eine Antwort und gleich diese mit der Beispiellösung beziehungsweise Erklärung auf der Rückseite ab. Ab und an wird das Wissen auch mittels Abbildungen und Tabellen abgefragt. Am Ende jedes Themenblockes gibt es zusammenfassende Karten, welche die wichtigsten Fakten noch einmal wiederholen, sowie Fragekarten, deren Sinn es ist, dass ihr relativ offene Fragen in eigenen Worten strukturiert beantwortet (wie im mündlichen Physikum).

Themenumfang: Welche Themen behandelt werden, steht auf der Vorderseite der jeweiligen Box. Alle großen Themen werden behandelt, einige ausführlicher, andere spärlicher. Zwischen den Fächern Biochemie und Physiologie gibt es oft Überschneidungen, oder ein Thema wird nur in einem Fach behandelt – an eurer Uni eventuell im anderen Fach – sodass ihr euch die richtigen Karten hier heraussuchen müsst. In der oberen rechten Ecke ist zudem ausgezeichnet, wie physikumsrelevant die entsprechende Lernkarte ist. Dieser Anzeige habe ich während des Lernens allerdings wenig Beachtung geschenkt, denn durch die Kompaktheit und den großen Informationsgehalt ist fast jede Lernkarte irgendwie wichtig.

Neupreis: 10,99€ pro Box, für alle Boxen zusammen also knapp 100€. Das ist eine Menge Geld für Lernkarten, allerdings sind es hunderte. Seht euch vor der Anschaffung am besten die Beispielkarten auf der SmartMedix-Homepage an, um abschätzen zu können, ob ihr persönlich mit dem Aufmachungsstil klarkommt. Eventuell lohnt sich die Anschaffung einzelner Boxen, oder ihr testet das System aus, indem ihr erst einmal eine Box bestellt.

Fazit: Kurz gesagt: Die Karten haben, neben ViaMedici, den Großteil meiner Lernmaterialien/-quellen in der Vorklinik ausgemacht. Für den Präparierkurs waren sie ein Segen, Biochemie I habe ich ohne Lehrbuch (nur mit den Karten sowie Vorlesungsfolien) gemeistert, und auch für Physiologie bin ich sie vor Prüfungen stets durchgegangen. Die Karten konzentrieren sich auf das wirklich Wichtige, auf ihnen stehen aber auch erstaunlich viele Fakten, die man in den klassischen Lehrbüchern nicht findet und mit denen man in Testaten glänzen kann. Durch die ein oder andere Karte ist mir so manches Licht aufgegangen, ich konnte den ein oder anderen “Fun Fact” im Präpariersaal preisgeben und in ihrer Gesamtheit können die Karten definitiv mit so manchem Kurzlehrbuch mithalten.

Vor allem die (langfristige) Vorbereitung auf das mündliche Physikum wird durch die Karten begünstigt, eben, weil sie nach dem Frage-Antwort-Prinzip funktionieren. Realistisch ist aber, dass man (ich) sich vor der Prüfung ausschließlich die Rückseite der Karten durchliest, eben, weil keine Zeit für das Frage-Antwort-Spiel bleibt und man einfach die Information durchgehen möchte.

SmartMedix ist an meiner Universität relativ unbekannt, in meiner Stadt gibt es keinen Verkaufspunkt, sodass man sie nur online erwerben kann. All diejenigen, welche die Karten auf meine Empfehlung hin nachgekauft haben, waren aber hellauf begeistert.

Das klingt alles fast zu gut, um wahr zu sein – und ja, das hier ist nach wie vor meine ehrliche Meinung und keine bezahlte Werbung – aber neben meinem geliebten Trepel sowie ViaMedici sind die SmartMedix-Karten definitiv die Anschaffung der Vorklinik, die ich euch guten Gewissens ans Herz legen kann, frei nach dem Motto: “Spart euch das ein oder andere dicke Lehrbuch und macht’s mit den Lernkarten”.

Ihr seht, dass mich Lernkarten in allen großen Fächern auf dem Weg zum Physikum begleitet haben. Ich habe bekanntermaßen eher wenig mit Büchern gelernt, weshalb Lernkarten in meinem Vorklinik-Lernalltag elementar waren, in der Klinik eventuell weiterhin sind. Vielleicht konnte ich euch mit den obigen Reviews eine kleine Entscheidungshilfe für den Lernkartenkauf liefern – aber vergesst nicht: Bekanntermaßen sollte man nicht alles auf eine Karte setzen, die Vielfalt an Lehrmitteln (Mischung) macht’s ;-).

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